Normen für unbetreutes Angebot von Organisationen / Center

Bewegungs- & gesundheitsfördernde Angebot verfolgt evidenzbasierte Strategien, die sowohl die gesamte Bevölkerung als auch spezifische Bevölkerungsgruppen ansprechen. Es sollen ein Angebot sein, welches die Bewegungs- und Gesundheitsmöglichkeiten und eine gute Umgebung für einen aktiven Lebensstil für jedermann geschaffen wird.

Grundlagen Kriterien

  • Vollständige Adressdaten
  • Nachweis einer Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung
  • Unternehmerische Ernsthaftigkeit

Es stehen folgende Möglichkeiten zur Auswahl, um die unternehmerische Ernsthaftigkeit nachzuweisen:

Organisationen / Center: die Mitarbeitende bzw. weitere Kursleitende angestellt haben, müssen einen Handelsregistereintrag nachweisen.

Einzelanbieter müssen als selbständig Erwerbende eine SVA Nachweis liefern.

  • Der Anbieter muss einen eigenen Ethik Code vorweisen.

Der Anbieter ist bemüht, seine Tätigkeiten (Verkauf, Unterricht…) gegenüber sich selbst und seinen Kunden nach grundlegenden ethischen Prinzipen zu gestalten.

Der Anbieter kann ein Muster gemäss Qualitop-Vorgaben auf der Website von Qualitop downloaden.

  • Rechtskonformität

Wenn Nachweise oder rechtlich relevante Anzeichen bestehen, dass die Prinzipien des Ethik-Codes nicht erfüllt sind, beispielsweise durch hängige oder rechtskräftig abgeschlossene Gerichtsverfahren, kann eine Zertifizierungsinstitution die Zertifizierung verweigern, aufschieben, sistieren oder entziehen.

Anbieter Kriterien – Organisationen / Center

  • Das Kennenlernen der Organisation / Center muss mindestens aus einem virtuellen oder realen Rundgang durch den Trainingsbereich der Organisation / Center bestehen und auch relevante Informationen zum instruierenden und beaufsichtigenden Personal enthalten.

Relevant sind Informationen zum instruierenden und beaufsichtigenden Personal dann, wenn sie in der Organisation / Center die Identifikation der betreffenden Personen erlauben, beispielsweise durch Vornamen und Foto, sowie Angaben zur Berufserfahrung oder/und Qualifikation bzw. Ausbildung enthalten.

  • Die Organisationen / Center müssen über eine Protokollierungsmöglichkeit in Print oder elektronischer Form verfügen, in welche die wesentlichen Trainingsparameter eingetragen werden können oder automatisch registriert werden.

Zu den wesentlichen Trainingsparametern gehören die Art der Trainingsübung, die Intensität/Belastung, die Belastungsdauer sowie die Häufigkeit der einzelnen Trainingseinheiten.

  • Die quantitativen und qualitativen Personalanforderungen sind als Mindestwochendotationen anrechenbarer Personaleinsatzstunden definiert. Sie richten sich nach Wochenöffnungsstunden und der Grössenkategorie.

Für den unbeaufsichtigten Anteil (= Safety care) an der gesamten Trainingswochenstundenzahl gibt es keine Personalvorschriften. Es können im Auftrag oder im Dienst des Centers stehende Personen physisch im Center anwesend sein (beaufsichtigte Trainingsstunden) oder auch nicht (= unbeaufsichtigte Trainingsstunden).

  • Es sind genügend Personal mit ausreichender Ausbildung anwesend ist.

Dies, um die Trainierenden zu betreuen, andererseits aber auch, um eine minimale Sicherheit garantieren zu können (Entdeckung und Intervention bei einem Notfall).

Sowohl Betreuung als auch die Intervention im medizinischen Notfall setzt Handlungskompetenz des anwesenden Personals voraus, aber, weil eine einzelne Person nicht eine beliebige Anzahl von Trainierenden beaufsichtigen kann, auch Mindestquantität.

  • Der Anbieter muss sich über ein Reinigungskonzept ausweisen, aus dem mindestens folgende Informationen hervorgehen:

Abläufe (Zeiten, Art und Orte) der Reinigungsaktionen, Kontrolle der Durchführung und Verantwortliche, welche die Sauberkeit während der Öffnungszeiten sicherstellen.

Die Umsetzung des Reinigungskonzeptes muss dokumentiert werden und für die Zertifizierungsinstitution überprüfbar sein.

  • Die Organisation / Center muss sich über ein Wartungskonzept für Routinewartungsarbeiten wie auch grössere Service- und Überholungsarbeiten für die Trainingsgeräte ausweisen.

Folgende Informationen sollte dieses Wartungskonzept enthalten:

Abläufe (Frequenz, Art der Wartungsaktionen und Kontrolle der Durchführung derselben, Umgang mit defekten Geräten) und Bezeichnung der Verantwortlichen für Routinewartungsarbeiten zur Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Trainingsgeräte.

Die Umsetzung des Wartungskonzeptes muss dokumentiert werden und für die Zertifizierungsinstitution kontrollierbar sein.

Abläufe (Frequenz, Art der Wartungsaktionen und Kontrolle der Durchführung) und Bezeichnung der Verantwortlichen für grössere Service- und Überholungsarbeiten, die zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Trainingsgeräte erforderlich sind.

Angebots Kriterien – unbetreutes Angebot

  • Der Preis für diese Dienstleistung muss für den Kunden der Organisation / des Centers ersichtlich sein.
  • Die Organisation / das Center verfügt über einen schriftlichen Leitfaden, in welchem die einzelnen Handlungsschritte für die Abklärung und Identifizierung individueller Trainingsziele des Kunden festgehalten sind und die Ergebnisse protokolliert werden können.

Das Center muss über schriftliche, als integrierte Vertragsbestandteile deklarierte Verhaltensvorschriften für das Training während der unbeaufsichtigten Trainingszeiten verfügen, mit welchen centerspezifisch das Risiko zusätzlich minimiert wird.
Dazu kann die Einschränkung der Nutzung gewisser Trainingsgeräte mit einem höheren Gefährdungspotential und/oder das Verbot bestimmter Trainingsformen mit erhöhtem Risiko – beispielsweise Maximalversuche im Krafttraining – gehören.

  • Es wird eine individuelle Trainingsgestaltung, bestehend aus einem individuellen Trainingsprogramm sowie einem individuell betreuten Training zur Einführung ins Trainingsprogramm angeboten.

Die Organisation / Center verfügt über einen schriftlichen Leitfaden, in welchem die einzelnen Handlungsschritte für eine individuelle Trainingsgestaltung, bestehend aus einem individuellen Trainingsprogramm für den Kunden sowie einem individuell betreuten Training zur Einführung des Kunden ins Trainingsprogramm festgehalten sind und die Ergebnisse protokolliert werden können.

  • Der Anbieter stellt die Trainingskompetenz der Kunden fest.

Ein Kunde ist dann trainingskompetent, wenn er ein seinen individuellen Zielen entsprechendes Trainingsprogramm mit passenden Übungen entwerfen und mit der richtigen Belastungshöhe und Belastungsdauer unter korrekter Bedienung gegebenenfalls genutzter Geräte durchführen kann.

  • Zur Durchführung der gesundheitlichen Risikoabklärung muss die Organisation / das Center über einen Gesundheitsfragebogen verfügen, der inhaltlich den Anforderungen des Normativen Anhangs entspricht.
  • Der Anbieter muss mit jedem Kunden vor dessen Trainingsaufnahme eine gesundheitliche Risikoabklärung vornehmen.
  • Die Organisation / Center verfügt über ein schriftlich festgelegtes Verfahren, in welchem der Umgang mit Kunden festgehalten ist, die sich der gesundheitlichen Risikoabklärung nicht unterziehen wollen oder bei denen die gesundheitliche Risikoabklärung ein erhöhtes Risiko ergeben hat.
  • Instruktion der unbeaufsichtigt Trainierenden.

Um das reibungslose Funktionieren der Rettungskette während der unbeaufsichtigten Trainingszeiten sicherzustellen, muss das Center jede Person, die während den unbeaufsichtigten Öffnungszeiten trainieren will und darf, in den Ablauf der Rettungskette einweisen. Für diese Einweisung muss eine schriftliche Anweisung vorhanden sein. Die Einweisung muss mündlich erfolgen und von der Abgabe einer schriftlichen Anweisung begleitet sein. Die Einweisung muss folgende Punkte enthalten:

– Mit welchen zur Verfügung stehenden Mitteln welche Stellen wie alarmiert werden.
– Wo sich die entsprechenden Hilfsmittel (Telefone / 24-Stunden-Notfall-
Allarmierungssystem) sowie die Informationen zu den zu alarmierenden Stellen befinden.
– Wo sich die Instrumente und Hilfsmittel zur Intervention (AED / Notfallapotheke) befinden.
– Welches die zusätzlichen Verhaltensvorschriften für die unbeaufsichtigten Trainingszeiten sind.

  • Zugriffssystem

Das Center muss über ein Zutrittssystem verfügen, welches durch Autorisierung, Authentisierung und Authentifizierung sicherstellt, dass während den unbeaufsichtigten Trainingszeiten nur berechtigte Personen Zutritt zu den Trainingsräumlichkeiten erhalten.
Dieses Zutrittssystem muss erlauben, aus den Centerkunden „Untergruppen“ zu bilden, denen während der unbeaufsichtigten Trainingszeiten aus unterschiedlichen Gründen (Minderjährige aus Haftungsgründen / medizinische Gründe / fehlende Trainingskompetenz) kein Zutritt zu den Trainingsräumlichkeiten gewährt wird.

  • Notfallmanagement währen unbeaufsichtigten Trainingsstunden

Während unbeaufsichtigten Trainingszeiten, während denen kein im Dienste des Centers
stehendes oder in dessen Auftrag handelndes Personal im Center anwesend ist, dienen alle
Anforderungen der weiteren Minimierung des Risikos und dem Funktionieren der Rettungskette “Entdecken – Alarmieren – Intervenieren”. Für die Alarmierung im Rahmen der Rettungskette „Entdecken-Alarmieren-Intervenieren“ muss ein 24-Stunden-Notfall-Alarmierungssystem zur Verfügung stehen.

  • Kameraüberwachung

Bietet ein Center unbeaufsichtigte Trainingszeiten an, müssen 100% der zugänglichen Trainingsräumlichkeiten kameraüberwacht sein. Zusätzlich müssen die Eingänge zu den Umkleideräumlichkeiten ebenfalls mit Kamera/s überwacht werden. Die Kamerabilder müssen aufgezeichnet, aber gemäss den Vorschriften des Datenschutzgesetzes nach der maximalen Aufbewahrungsdauer gelöscht werden.

  • Notfallplanung & Emergency Manager

Für das Notfallmanagement müssen in der Organisation / Center folgende personelle Voraussetzungen erfüllt sein: Eine Person der Mitarbeitenden muss ausdrücklich als die verantwortliche Person (Emergency Manager) im Notfall bestimmt sein.

  • Es muss aus jedem Trainingsbereich bzw. Trainingsraum Hilfe herbeigerufen werden können.

Hilfsmittel zur Herbeirufung von Hilfe können beispielsweise eine direkte Telefonlinie, ein Alarmknopf, eine Trillerpfeife, eine Gegensprechanlage, Überwachungskamera/s, Rufen sein.

Es müssen standardisierte Vorkehrungen getroffen sein, damit im Notfall eine klare vordefinierte Aufgabenaufteilung stattfindet.

  • Für das Notfallmanagement müssen in der Organisation / Center nachstehende infrastrukturelle Voraussetzungen erfüllt sein, um einen möglichen Notfall optimal zu handhaben:

gut sichtbare relevante Telefonnummern für den Notfall; Diese für den Notfall relevanten Telefonnummern müssen von allen Telefonen aus sichtbar oder auf den Telefonen selbst angebracht sein. kabelloses Telefon oder Handy;

in Telefonnähe ein leicht lesbares Meldeschema mit Wegbeschreibung zur Organisation / Center für die Rettungskräfte.

vorhandener oder innerhalb einer Minute bereitstellbarer, mit einer Trage zugänglicher Lagerungsbereich mit Lagerungsmöglichkeit;

Falls der Lagerungsbereich abschliessbar ist, darf er entweder nicht abgeschlossen werden oder die Schlüsselzugänglichkeit muss gewährleistet sein;

Das Meldeschema mit Wegbeschreibung für externe Rettungskräfte muss mindestens folgende Informationen enthalten: Adresse, genaue Zufahrt zur Organisation / Center auf den letzten 100 Metern sowie genaue Lage des Eingangs.

  • Notfallapotheke

Die Notfallapotheke / der Notfallkoffer muss für die nachfolgenden Situationen mit folgenden Inhalten ausgerüstet sein: Allgemein: Schere; Pinzette; Sicherheitsnadeln; Offene Wunden: Gummihandschuhe; Steriles Wundreinigungsmaterial; Steriles Wundabdeckungsmaterial; Wunddesinfektionsmittel (Ablaufdatum i. O.); Heftpflaster ; Verstauchungen/Zerrungen: mehrere Mullbinden od. elastische Binden; Dreieckstuch; Kühlmaterial (Spray / Cold Pack / Eis); Hypoglykämie: Traubenzucker; zuckerhaltige Getränke (gratis abzugeben);

  • Notfallinstrumente

kardiovaskuläres Ereignis Beatmungshilfsmittel (z.B. Maske / Tücher); Automatischer Externer Defibrillator (AED); Warmhaltemöglichkeit (Wärmefolie/Wolldecken/Frottiertücher)

  • Es müssen jährlich mindestens zwei Notfalltrainings in einem Abstand von mindestens drei Monaten durchgeführt und protokolliert werden. Wenigstens eines der beiden Notfalltrainings muss die zumindest simulierte Anwendung des AED mit beinhalten.

Notfalltrainings sind gemäss den Massnahmenplänen durchgespielte Fallbeispiele. BLS-AED- Erstausbildungen und/oder BLS-AED-Refresher-Kurse sind keine Notfalltrainings.

Die Anwendung des AED ist dann simuliert, wenn alle Schritte einer wirklichen AED-Einsatzes an einem Patienten durchgespielt werden mit Ausnahme der tatsächlichen Verabreichung der „Elektroschocks“, d.h. der AED muss schnellstmöglich zum „Patienten“ gebracht und für die Anwendung des AED muss sowohl der Patient als auch der AED vorbereitet werden. Da es sich aber möglicherweise nicht um eine Übungspuppe, aber auch nicht um echten Patienten handelt sowie zum Zwecke der Schonung des Batterieladestandes werden keine Elektroschocks ausgelöst.